
Aber sie braucht Klarheit.
Wer andere sehr fein wahrnimmt, läuft Gefahr, sich selbst dabei aus den Augen zu verlieren.
Ich kenne dieses tiefe Verstehen anderer Menschen. Ich kenne das Bedürfnis, helfen zu wollen. Das viele Geben. Das Aushalten. Das Hinterfragen. Und auch das Gefühl, andere sehr klar sehen zu können und sich selbst trotzdem manchmal nicht wirklich gesehen zu fühlen.
Mein eigener Weg hat mich deshalb nicht gelehrt, noch mehr wahrzunehmen. Er hat mich gelehrt, unterscheiden zu können: Was gehört zu mir? Was gehört zum anderen? Was darf ich tragen? Und was nicht mehr?
Nicht alles, was mich heute in meiner Arbeit trägt, habe ich in einer Ausbildung gelernt. Vieles hat mich das Leben gelehrt.
Zwischenmenschliche Beziehungen. Partnerschaft. Familie. Mutterschaft. Freundschaft. Unternehmertum. Gemeinschaft. Vertrieb. Manipulation und Falschheit. Vertrauen. Grenzen. Liebe.
Manche Erfahrungen waren wunderschön. Andere schmerzhaft. Einige haben mich an meine Grenzen gebracht.
Ich glaube heute nicht mehr daran, dass meine Aufgabe darin besteht, für jeden Menschen verfügbar zu sein, nur weil ich ihn fühlen oder verstehen kann.
Ich durfte lernen, meine Tiefe nicht jedem zur Verfügung zu stellen. Menschen bewusster zu wählen. Alleinsein nicht mit Einsamkeit zu verwechseln. Meine eigene Gesellschaft zu mögen. Und mich nicht nur als die starke Frau zu zeigen, die alles halten kann. Sondern auch als Mensch. Unperfekt. Verletzlich. Lernend. Lebendig. Genau dort wo echte Begegnung entsteht.
Für mich bedeutet Bewusstsein, mich immer wieder an das Wesentliche zu erinnern: Liebe. Wahrheit. Mitgefühl. Vergebung. Freiheit. Eigenverantwortung. Verbindung.
Es bedeutet, das Herz offen zu halten, ohne mich selbst aufzugeben. Klar zu sein, ohne hart zu werden. Grenzen zu setzen, ohne den anderen zum Feind zu machen. Und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Vielleicht ist Bewusstsein am Ende genau das: Immer weniger gegen uns selbst zu leben.
